Wissenswertes

Entwicklung des Sehens

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„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, sagt ein Sprichwort. Genau wie alles andere muss auch das Sehen erlernt und durch viel Übung trainiert werden. Die Weichen für eine gute Sehleistung werden schon im Kindesalter gestellt.

Bei einem Neugeboren hat der Augapfel eine ungefähre Länge von 17 mm, siehe auch Abbildung a (Erwachsene 25mm, siehe Abbildung c). Auch die Hornhaut hat mit einem Durchmesser von 8-10 mm und einer Durchbiegung von 6,5 mm noch nicht ihre endgültige Größe (die Hornhaut eines Erwachsenen hat einen durchschnittlichen Durchmesser von 10-13 mm und einen Radius von 7,8 mm).

Entwicklung des Augapfels

Wie die Hornhaut hat auch die Augenlinse noch nicht ihre endgültige Größe und Brechkraft. Durch dieses noch nicht ausbalancierte Verhältnis von Brechkraft und Augenlänge liegt bei einem Säugling eine Hyperopie (Übersichtigkeit) vor. Bereits im ersten Lebensjahr wächst der Augapfel auf eine Länge von ca. 21 mm. Die Brechkräfte der Hornhaut und der Linse nehmen ab und nähern sich den Werten eines Erwachsenen. Durch diese sich verändernden Verhältnisse sinkt die Hyperopie.

Für die Entwicklung der Sehfunktionen ist das erste Lebensjahr von entscheidender Bedeutung. Das visuelle System eines Babys ist bei der Geburt noch sehr unreif. Auf der Netzhaut sind zwar schon alle Rezeptoren vorhanden, allerdings werden erst durch entsprechende Reize, also scharfe Netzhautbilder, Verschaltungen zwischen diesen Rezeptoren gebildet. Diese Verschaltungen sind notwendig um eine möglichst hohe Sehschärfe und ein gutes räumliches Sehen zu entwickeln. Können zum Beispiel durch eine angeborene Augenkrankheit oder eine Anisometropie (Stärkenunterschied zwischen rechtem und linkem Auge) keine scharfen Bilder auf der Netzhaut abgebildet werden, wird die Verschaltung der Rezeptoren gestört und die Sehfunktion bleibt für immer beeinträchtigt. In der so genannten kritischen Phase haben solchen Beeinträchtigungen die größte Auswirkung auf das Sehen. Die kritische Phase geht je nach Literaturangabe  etwa vom 6. bis zum 12. Lebensjahr, besonders entscheidend sind allerdings die ersten 12 Monate, da sich hier viele Sehfunktionen entwickeln.

Die Sehleistung eines Säuglings lässt sich nur schwer bestimmen, von daher gibt es je nach Prüfmethode abweichende Angaben. Kurz nach der Geburt hat ein Baby noch eine sehr geringe Sehschärfe und kann im wesentlichen Hell und Dunkel unterscheiden. Bereits im 2. Lebensmonat lernt ein Säugling zu fixieren und Augefolgebewegungen zu machen, diese sind allerdings noch ruckartig. Die Fixation kann noch nicht  lange gehalten werden, was dazu führt, dass ein Auge abweicht und das  Baby schielt. Die ungefähre Sehleistung liegt bei 0.1.

Im 3. und 4. Monat werden die Augenbewegungen schon kontrollierter. Akkommodation und Binokularsehen setzen ein. Die Sehschärfe liegt jetzt bei etwa 0,2 – 0,3. Hier startet die kritische Phase fürs Binokularsehen (Durch das beidäugige Sehen besteht die Möglichkeit, dass das schlechter sehende Auge vom Sehprozess ausgeschlossen wird und das Gehirn dem besser sehenden Auge den Vorzug gibt).

Im 6. Monat entwickelt sich das Binokularsehen soweit, das räumliches Sehen möglich wird. Ebenso ist die Motorik nun soweit entwickelt, dass Gegenstände vom Kind fixiert und ergriffen werden können.
Ein weiterer wichtiger Schritt in diesem Alter ist die Entwicklung des Farbensehens.

Nach einem Jahr hat ein Kind eine Sehschärfe von etwa 0,6 – 0,7. Alle wesentlichen Funktionen des visuellen Systems sind ausgebildet und müssen nun durch ständiges Training verfestigt werden.

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