Entwicklung des Sehens
Sehen will gelernt sein: Wie sich die Sehleistung vom Säugling an entwickelt und warum die Weichen schon früh gestellt werden.

Sehen ist keine angeborene Fähigkeit, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt. Der folgende Überblick zeigt, wie sich das Sehen von der Geburt an entwickelt und warum die ersten Lebensjahre dabei so entscheidend sind.
Sehen will gelernt sein
„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, sagt ein Sprichwort. Genau wie alles andere muss auch das Sehen erst erlernt werden. Das Auge liefert lediglich die Bilder – erst das Gehirn lernt, diese richtig zu deuten. Dieser Lernprozess beginnt unmittelbar nach der Geburt und setzt sich über die ersten Lebensjahre fort.
Wie sich das Auge körperlich entwickelt
Bei einem Neugeborenen hat der Augapfel eine ungefähre Länge von 17 mm (siehe auch Abbildung a; Erwachsene 25 mm). Die Hornhaut ist im Verhältnis größer und stärker gekrümmt als beim Erwachsenen. Mit dem Wachstum des Auges verändern sich Baulänge und Brechkraft, bis sie im Idealfall zueinander passen.
Wie die Hornhaut hat auch die Augenlinse noch nicht ihre endgültige Größe und Brechkraft. Durch dieses noch nicht abgeschlossene Wachstum verändert sich der Brechwert des Auges im Laufe der Kindheit fortlaufend. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen der Sehentwicklung im Kindesalter besonders wichtig.
Das erste Lebensjahr und die kritische Phase
Für die Entwicklung der Sehfunktionen ist das erste Lebensjahr von entscheidender Bedeutung. Das visuelle System ist in dieser Zeit besonders formbar. Wird ein Auge in dieser sensiblen Phase nicht ausreichend gefordert – etwa durch eine unkorrigierte Fehlsichtigkeit, ein Schielen oder eine Linsentrübung –, kann sich eine bleibende Sehschwäche entwickeln. Eine frühzeitige Untersuchung und gegebenenfalls Korrektur ist daher besonders wichtig.
Die Sehentwicklung Monat für Monat
Kurz nach der Geburt und ab dem 2. Monat
Die Sehleistung eines Säuglings lässt sich nur schwer bestimmen, daher gibt es je nach Prüfmethode abweichende Angaben. Direkt nach der Geburt nimmt das Kind vor allem Hell-Dunkel-Kontraste und Bewegungen wahr. Ab dem zweiten Monat beginnt das Baby, Gesichter und Gegenstände in geringer Entfernung fixieren zu können.
3. und 4. Monat
Im 3. und 4. Monat werden die Augenbewegungen schon kontrollierter. Akkommodation und Binokularsehen setzen ein, sodass das Kind Gegenstände gezielter verfolgen und in unterschiedlicher Entfernung scharf stellen kann.
6. Monat
Im 6. Monat entwickelt sich das Binokularsehen so weit, dass räumliches Sehen möglich wird. Ebenso ist die Motorik der Augen bereits deutlich ausgereifter, und Auge und Hand beginnen zusammenzuarbeiten.
Nach einem Jahr
Nach einem Jahr hat ein Kind eine Sehschärfe von etwa 0,6 – 0,7. Alle wesentlichen Funktionen des visuellen Systems sind angelegt. Die weitere Feinabstimmung, insbesondere das Erreichen der vollen Sehschärfe, zieht sich noch über die folgenden Jahre hin. Mehr zur Versorgung im Kindesalter erfahren Sie im Beitrag zu Baby und Kinderlinsen.
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